EU AI Act: Was zwei Monate vor dem Stichtag wirklich gilt
Ab August greift der EU AI Act für alle Unternehmen mit KI-Einsatz, wer jetzt drei Schritte macht, ist auf der sicheren Seite.
In zwei Monaten ist Schluss mit dem Gewöhnungszeit-Argument. Am 2. August 2025 tritt der EU AI Act in seiner nächsten Stufe in Kraft, und er betrifft nicht nur KI-Anbieter oder Tech-Konzerne. Er betrifft dich, wenn du KI-Tools im Betrieb nutzt.
Die gute Nachricht zuerst: Der Großteil des deutschen Mittelstands fällt nicht in die Hochrisiko-Kategorien, die den dicksten Pflichtenkatalog mitbringen. Wer KI für Textentwürfe, Zusammenfassungen, Kundenkommunikation oder interne Auswertungen nutzt, bewegt sich in der Regel im Niedrigrisiko-Bereich. Dort sind die Anforderungen überschaubar.
Dennoch gibt es drei Dinge, die jetzt erledigt sein sollten.
Erstens: Bestandsaufnahme. Welche KI-Systeme setzt dein Unternehmen ein, und wofür genau? Das klingt banal, ist aber die Grundlage für alles Weitere. Viele Betriebe haben KI inzwischen an fünf verschiedenen Stellen im Einsatz und keiner hat den Überblick.
Zweitens: Risikokategorie klären. Das Gesetz unterscheidet zwischen minimalen, begrenzten, hohen und inakzeptablen Risiken. Hochrisiko bedeutet zum Beispiel KI, die bei Kreditvergabe oder Personalentscheidungen mitentscheidet. Wer dort arbeitet, braucht Dokumentation, menschliche Aufsicht und gegebenenfalls eine Konformitätsbewertung. Das ist der Teil, wo ein Anwalt mit Regulierungserfahrung sinnvoll ist.
Drittens: Transparenzpflichten umsetzen. Auch im Niedrigrisiko-Bereich gilt: Wenn Kunden oder Mitarbeitende mit einem KI-System interagieren, müssen sie das wissen. Ein Chatbot muss sich als Chatbot zu erkennen geben. Technisch kein großer Aufwand, wird aber häufig vergessen.
Was droht bei Verstößen? Bußgelder bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Für einen mittelständischen Betrieb ist das kein theoretisches Risiko, das man aussitzen kann.
Die Botschaft ist nicht: Panik. Wer jetzt zwei, drei Stunden investiert, um Klarheit zu schaffen, hat das Thema vom Tisch. Wer es weiter schiebt, schiebt ein echtes Risiko vor sich her.
Erstell diese Woche eine Liste aller KI-Tools im Einsatz und ordne jeden Anwendungsfall einer Risikokategorie zu.